Verlust gehört zum Leben dazu. Und jeder Verlust ist bedeutsam.
Wenn ein Mensch geht – durch Tod, Trennung, Kontaktabbruch oder einen anderen Abschied – verändert sich etwas Grundlegendes. Etwas, das bisher Halt gegeben hat, ist nicht mehr da.
Viele Menschen erleben in solchen Situationen nicht nur Traurigkeit, sondern eine tiefe Form von Schmerz. Gedanken wie „Warum trifft mich das so stark?“ oder „Wieso komme ich damit nicht besser zurecht?“ sind dann völlig verständlich.
In meiner Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie erlebe ich immer wieder:
Die Intensität von Verlust entsteht aus dem Zusammenspiel von dem, was wir heute verlieren, und den Beziehungserfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben.
Verlust aktiviert Bindung
Wir Menschen sind von Anfang an auf Beziehung angewiesen. In der Kindheit lernen wir, ob Nähe verlässlich ist, ob wir mit unseren Gefühlen willkommen sind und ob wir in schwierigen Momenten gehalten werden.
Wenn wir später einen Verlust erleben, reagiert nicht nur unser Verstand. Auch unser Nervensystem meldet sich. Es erinnert sich daran, wie sich Abschied, Alleinsein oder emotionale Distanz früher angefühlt haben.
Das zeigt sich oft in Reaktionen wie:
- intensiver Verlassenheitsangst
- innerer Leere oder starker Unruhe
- dem Gefühl, sich selbst zu verlieren
- dem Wunsch nach starker Nähe oder dem Rückzug von anderen
Diese Reaktionen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie zeigen, wie wichtig Bindung für uns ist.
Jeder Verlust steht für sich – und berührt dennoch Tieferes
Jeder Verlust ist real und schmerzhaft. Er verdient Würdigung, Raum und Zeit.
Und gleichzeitig berührt er oft tiefere Schichten in uns.
Frühere Bindungserfahrungen wirken dabei nicht anstelle des aktuellen Schmerzes, sondern prägen, wie wir ihn erleben:
- wie sehr wir innerlich Halt finden oder überfordert sind.
- wie sicher oder allein wir uns fühlen,
- wie gut wir uns selbst regulieren können,
Wenn Bindung in frühen Lebensphasen unsicher, widersprüchlich oder emotional nicht ausreichend verfügbar war, kann ein heutiger Verlust besonders stark treffen – nicht wegen der Größe des Verlustes, sondern weil er auf ein inneres System trifft, das schon früh gelernt hat, mit Abschied allein zurechtzukommen.
„Warum trifft mich das so intensiv?“
Diese Frage höre ich in meiner Praxis immer wieder: Viele Menschen sind dann besonders kritisch mit sich selbst und glauben, sie müssten „stärker“ sein oder schneller mit ihrem Verlust zurechtkommen.
Aus therapeutischer Sicht ergibt diese Intensität jedoch Sinn.
Der Verlust spricht ein inneres Beziehungssystem an, das auf Sicherheit, Verbindung und Co-Regulation ausgerichtet ist. Wenn diese innere Sicherheit erschüttert wird, reagiert der Körper oft stärker, als wir es rational erwarten würden.
Verlust lässt sich nicht wegdenken oder kontrollieren. Er möchte verstanden und begleitet werden.
Wie ich Sie in dieser Zeit begleite
In meiner therapeutischen Arbeit verbinde ich die Themen Verlust, Bindung und frühe Beziehungserfahrungen miteinander. Ich begleite Sie dabei, zu verstehen, was dieser Verlust in Ihnen berührt – ohne etwas zu relativieren oder zu beschleunigen.
Gemeinsam schauen wir:
- welche Bedeutung der aktuelle Verlust für Sie hat
- welche Gefühle sich zeigen, auch wenn sie widersprüchlich sind
- wie Ihr Nervensystem auf Abschied reagiert
- und was Ihnen hilft, wieder mehr innere Stabilität zu entwickeln
Mir ist wichtig, dass Sie sich in Ihrem Tempo zeigen können. Ich achte darauf, Überforderung wahrzunehmen und gemeinsam einen sicheren Rahmen zu schaffen, in dem Gefühle da sein dürfen, ohne Sie zu überschwemmen.
Dabei geht es nicht darum, etwas „loszulassen“ oder schnell zu verarbeiten. Es geht darum, dem Verlust einen Platz zu geben – in einer Beziehung, die trägt.
Ein mitfühlender Blick auf sich selbst
Wenn Sie gerade das Gefühl haben, dieser Verlust bringt Sie an Ihre Grenzen, dann bedeutet das nicht, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt.
Es bedeutet, dass etwas Wichtiges gegangen ist – und dass Ihr System darauf reagiert.
Verlust darf weh tun. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.
👉 Im Newsletter gehe ich noch tiefer darauf ein, wie Bindungserfahrungen unsere Trauer prägen und wie ein behutsamer, stabilisierender Umgang mit Verlust aussehen kann.
